ich hatt vorhin ne Kopie vom kleinen Kaktus gesucht und bin irgendwann an der Pinnwand hängengeblieben. eija. schönes Wochenende ^^


Die meisten Menschen wollen nicht eher schwimmen,

als bis sie es können.

Ist das nicht witzig?

Natürlich wollen sie nicht schwimmen!

Sie sind ja für den Boden geboren, nicht fürs Wasser.

Und natürlich wollen sie nicht denken,

sie sind ja fürs Leben geschaffen,

nicht fürs Denken!

Hermann Hesse, Der Steppenwolf

von der Pinnwand kopiert

von Mandy

..

copy

 
 
«Oh, das hast alles du selber gemacht. Begreifst du das nicht, du gelehrter Herr: daß ich dir darum gefalle und für dich wichtig bin, weil ich wie eine Art Spiegel für dich bin, weil in mir innen etwas ist, was dir Antwort gibt und dich versteht? Eigentlich sollten alle Menschen füreinander solche Spiegel sein und einander so antworten und entsprechen, aber solche Käuze wie du sind eben wunderlich und verlaufen sich leicht in eine Verzauberung, daß sie in den Augen andrer Menschen nichts mehr sehen und lesen können, daß es sie nichts mehr angeht. Und wenn dann so ein Kauz plötzlich doch wieder ein Gesicht findet, das ihn wirklich anschaut, in dem er etwas wie Antwort und Verwandtschaft spürt, ja, dann hat er natürlich eine Freude.»
 
«Du weißt alles. Hermine», rief ich erstaunt. «Es ist genau so, wie du sagst. Und doch bist du so ganz und gar anders als ich! Du bist ja mein Gegenteil; du hast alles, was mir fehlt.» – «So kommt es dir vor», sagte sie lakonisch, «und das ist gut.»
 
Und jetzt floß über ihr Gesicht, das mir in der Tat wie ein Zauberspiegel war, eine schwere Wolke von Ernst, plötzlich sprach dies ganze Gesicht nur noch Ernst, nur noch Tragik, bodenlos wie aus den leeren Augen einer Maske.
 
Langsam, Wort für Wort wie widerwillig hergebend, sagte sie: «Du, vergiß nicht, was du zu mir gesagt hast! Du hast gesagt, ich solle dir befehlen, und es würde dir eine Freude sein, allen meinen Befehlen zu gehorchen. Vergiß das nicht! Du mußt wissen, kleiner Harry: so, wie es dir mit mir geht, daß mein Gesicht die Antwort gibt, daß etwas in mir dir entgegenkommt und dir Vertrauen macht — ebenso geht es mir auch mit dir."
 
(Hermine zu Harry Haller "Steppenwolf" Hermann Hesse)
 

Nur für Verrückte: Tractat vom Steppenwolf

 
"So war dies mit dem Steppenwolf beschaffen, und man kann sich vorstellen, daß Harry nicht gerade ein angenehmes und glückliches Leben hatte. Doch soll damit nicht gesagt sein, daß er in ganz besonderem Grade unglücklich gewesen sei (obwohl es ihm selber allerdings so erschien, wie denn jeder Mensch die ihm zufallenden Leiden für die größten hält).
 
Man sollte das von keinem Menschen sagen. Auch wer keinen Wolf in sich hat, braucht darum nicht glücklich zu sein. Und auch das unglücklichste Leben hat seine Sonnenstunden und seine kleinen Glücksblumen zwischen Sand und Gestein.
 
So war es denn auch bei dem Steppenwolf. Er war meistens sehr unglücklich, das ist nicht zu leugnen, und unglücklich konnte er auch andre machen, nämlich wenn er sie liebte und sie ihn. Denn alle, die ihn lieb gewannen, sahen immer nur die eine Seite in ihm.
 
Manche liebten ihn als feinen, klugen und eigenartigen Menschen und waren dann entsetzt und enttäuscht, wenn sie plötzlich den Wolf in ihm entdecken mußten. Und das mußten sie, denn Harry wollte, wie jedes Wesen, als Ganzes geliebt werden und konnte darum gerade vor denen, an deren Liebe ihm viel gelegen war, den Wolf nicht verbergen und weglügen.
 
Es gab aber auch solche, die gerade den Wolf in ihm liebten, gerade das Freie, Wilde, Unzähmbare, Gefährliche und Starke, und diesen wieder war es dann außerordentlich enttäuschend und jämmerlich, wenn plötzlich der wilde, böse Wolf auch noch ein Mensch war, auch noch Sehnsucht nach Güte und Zartheit in sich hatte, auch noch Mozart hören, Verse lesen und Menschheitsideale haben wollte.
 
Gerade diese waren meistens besonders enttäuscht und böse, und so brachte der Steppenwolf seine eigene Doppeltheit und Zwiespältigkeit auch in alle fremden Schicksale hinein, die er berührte."
 
aus: Der Steppenwolf, Hermann Hesse, 1955, Suhrkamp Verlag 1999
 

Hatte ich nicht einst, in einer frühern Zeit, schon einmal diesen Schauder gefühlt, der zugleich etwas wie Glück war? Hatte ich nicht schon einmal diese Musik vernommen? Ja, bei Mozart, bei den Unsterblichen.

 
Verse kamen mir in den Sinn, die ich einst, in einer frühern Zeit, irgendwo gefunden hatte:
 
"Wir dagegen haben uns gefunden
In des Äthers sterndurchglänztem Eis,
Kennen keine Tage, keine Stunden,
Sind nicht Mann noch Weib, nicht jung noch Greis…
Kühl und wandellos ist unser ewiges Sein,
Kühl und sternhell unser ewiges Lachen…"
 
aus: Der Steppenwolf, Hermann Hesse, 1955, Suhrkamp Verlag 1999
 

“Wir dagegen haben [...] unser ewiges Lachen…”

 
Oh, ich begriff alles, begriff Pablo, begriff Mozart, hörte irgendwo hinter mir sein furchtbares Lachen, wußte alle hunderttausend Figuren des Lebensspiels in meiner Tasche, ahnte erschüttert den Sinn, war gewillt, das Spiel nochmals zu beginnen, seine Qualen nochmals zu kosten, vor seinem Unsinn nochmals zu schaudern, die Hölle meines Innern nochmals und noch oft zu durchwandern.
 
Einmal würde ich das Figurenspiel besser spielen. Einmal würde ich das Lachen lernen. Pablo wartete auf mich. Mozart wartete auf mich.
 
aus: Der Steppenwolf, Hermann Hesse, 1955, Suhrkamp Verlag 1999
 

Es wurde anfänglich sein Traum und Glück, dann sein bittres Schicksal.

 
Der Machtmensch geht an der Macht zugrunde, der Geldmensch am Geld, der Unterwürfige am Dienen, der Lustsucher an der Lust.
 
Und so ging der Steppenwolf an seiner Unabhängigkeit zugrunde. Er erreichte sein Ziel, er wurde immer unabhängiger, niemand hatte ihm zu befehlen, nach niemanden hatte er sich zu richten, frei und allein bestimmte er über sein Tun und Lassen. Denn jeder starke Mensch erreicht unfehlbar das, was ein wirklicher Trieb ihn suchen heißt.
 
Aber mitten in der erreichten Freiheit nahm Harry plötzlich wahr, daß seine Freiheit ein Tod war, daß er allein stand, daß die Welt ihn auf eine unheimliche Weise in Ruhe ließ, daß die Menschen ihn nichts mehr angingen, ja er selbst sich nicht, daß er in immer dünner und dünner werdender Luft von Beziehungslosigkeit und Vereinsamung langsam erstickte.
 
Denn nun stand es so, daß Alleinsein und Unabhängigkeit nicht mehr sein Wunsch und Ziel war, sondern sein Los, seine Verurteilung, daß der Zauberwunsch getan und nicht mehr zurückzunehmen war…
 
aus: Der Steppenwolf, Hermann Hesse, 1955, Suhrkamp Verlag 1999
 

∂єя ѕтєρρєиωσℓf ιѕт иσ¢н נυиg υи∂ υиєяfαняєи. ∂σ¢н єя ωιя∂ ℓєяиєи.

"Ich weiß es", sagte sie nachher, als ich davon sprach, "ich weiß es wohl. Ich werde dich zwar doch noch in mich verliebt machen, aber das hat keine Eile. Voerst sind wir Kameraden, wir sind Leute, welche Freunde zu werden hoffen, weil wir einander erkannt haben. Jetzt wollen wir beide voneinander lernen und miteinander spielen. Ich zeige dir mein kleines Theater, ich lehre dich tanzen und ein bißchen vergnügt und dumm sein, und du zeigst mir deine Gedanken und etwas von deinem Wissen."

"Ach, Hermine, da ist nicht viel zu zeigen, du weißt ja viel mehr als ich. Was bist du für ein merkwürdiger Mensch, du Mädchen! Überall verstehst du mich und bist mir voraus. Bin ich dir denn etwas? Bin ich dir nicht langweilig?"

Sie sah mit verdunkelten Blick zu Boden.

 

aus: Der Steppenwolf, Hermann Hesse, 1955, Suhrkamp Verlag 1999